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Grünes Fest - 30. Juni 2006


 

Gediegene Amtsübergabe

Am Freitag den 30. Juni 2006 feierten die Grünen St.Gallen und Toggenburg die Übergabe des Nationalratmandats von Pia Hollenstein an Urs Bernhardsgrütter. Die Grünen verfolgten damit die Absicht der Zurückgetretenen zu danken und Unterstützung für den Nachfolger auszudrücken.

Wer bisher geglaubt hat, die Grünen würden das Feiern als unwichtig erachten, muss umdenken, denn die Grünen verstehen das Genießen als wesentlichen Teil eines gelingenden Lebens. Allerdings gehört dazu auch die Einsicht, dass das Genießen nur dann das Leben bereichert, wenn es Rücksicht auf Menschen und Umwelt nimmt.

Auf den ersten Blick erweckte das Fest den Eindruck wie jedes andere, bei genauerem Hinschauen aber zeigten sich deutliche Unterschiede.

 

Der Anlass wurde von den Grünen Toggenburg mit Unterstützung der Kantonalpartei in Ebnat-Kappel organisiert. Das an die Mitglieder und Sympathisanten versandte Festprogramm machte einen schlichten Eindruck: kulturkundliche Wanderung auf dem Thurweg von Krummenau nach Ebnat mit anschließendem Essen und Feier im Schuppen.

Doch schon in der Einladung findet sich Ungewöhnliches, beispielsweise die Bitte Essgeschirr und Dessert mitzubringen. Auch sonst wurde viel Wert darauf gelegt, den Ressourcen-Verbrauch möglichst klein zu halten. Natürlich fehlte jeder Hinweis bezüglich einer Anreise per Auto; um so klarer war das Programm auf den öffentlichen Verkehr abgestimmt. Wundert es jemand, dass dann auch fast alle Teilnehmer mit dem Zug, dem Fahrrad oder zu Fuß anreisten ?

 

Gegen siebzehn Uhr wanderte eine fünfzehnköpfige Gruppe vom Bahnhof Krummenau, den Schatten suchend, zum Thurweg. Unterwegs wurde mehrmals angehalten um dem pensionierten Kantonsschullehrer Jost Kirchgraber zuzuhören, welcher aus seinen reichen Kenntnissen zu verschiedenen kulturellen Themen schöpfte.

Einer dieser Bereich betraf die Nutzung der Wasserkraft der Thur. Diese erfuhr nach den Anfängen im Mittelalter (als Antrieb für Mühlen und Sägen) eine verstärkte Nutzung ab dem siebzehnten Jahrhundert durch das Aufkommen der vielen Weberei- und Stickerei-Betriebe. Vor gut hundert Jahren folgte die Stromgewinnung mit Hilfe von Flusskraftwerken. Im „Atomzeitalter“ verlor die Wasserkraft an Beachtung. Aber in den letzten Jahren nahm das Interesse an der Wasserkraft in bürgerlichen Kreise wieder zu. Das unter anderem weil auch bei manchen von ihnen die Einsicht wächst, dass die Ära der Atomkraftwerke schon bald zu Ende gehen wird. Aus Angst vor einem künftigen Strommangel gaben die Toggenburger Behörden vor wenigen Jahren eine Untersuchung in Auftrag, um herauszufinden, wie viele Wasserkraftwerke im Toggenburg möglich wären. Das Ergebnis lautete auf 23 Kleinkraftwerke. Die Grünen sind überzeugt, dass die daraus entstehende Landschaftsbelastung durch Stromsparen leicht vermieden werden kann. Na ja, da wird ihnen die politische Arbeit nicht so rasch ausgehen.

Ein weiteres Thema war der Gemeindezusammenschluss von Ebnat mit Kappel. Dieser erfolgte schon vor einem halben Jahrhundert, als das noch nicht „Mode“ war.

Bei einem weiteren Halt berichtete Herr Kirchgraber von einer Studie, welche im Einzugsbereich der Thur (zwischen Nesslau und Schwarzenbach) Funde von vorgeschichtlichen Kulturgegenständen dokumentierte. Die Prüfung der Gegenstände ergab, dass einige von ihnen ein Alter vor drei- bis viertausend Jahre aufweisen. Daraus kann man schließen, dass das Toggenburg nicht erst durch die Alemannen, oder allenfalls die davor lebenden Kelten besiedelt wurde, sondern mindestens schon tausend Jahre früher bewohnt war.

Das Vorlesen verschiedener Stellen aus dem Roman "Die Wettermacher" von Peter Weber sorgte für Kurzweil. Die ZuhörerInnen waren beeindruckt von den Geschichten, Einsichten, Erfahrungen und den vielseitigen Stilmitteln, welche der Autor verbunden mit viel Emotion einsetzte.

Angeregt durch TeilnehmerInnen kam fast unvermeidlich auch die Schnellstraße durch das Toggenburg zur Sprache. Mit Sorgen sehen die Grünen der Eröffnung der Umfahrung Bazenheid entgegen, denn sie wird einen deutlichen Mehrverkehr zu Lasten aller Anwohner dieser Straße außerhalb von Bazenheid erzeugen. Zudem rechnen die Grünen damit, dass die ToggenburgerInnen mit jeder Beschleunigung des Straßenverkehrs noch häufiger in die Zentren zum Einkaufen fahren werden. Auch das Gewerbe im Toggenburg wird noch stärker in Bedrängnis geraten, weil die großen Firmen aus dem Unterland den einheimischen KMUs vermehrt Aufträge wegschnappen werden.

 

Die Wandergruppe traf gleichzeitig mit dem Zug aus Wattwil beim Bahnhof in Ebnat-Kappel ein. Dem Zug entstiegen weitere Festgäste, so dass sich insgesamt gegen vierzig Leute im Bahnhofschuppen einfanden. Bald nachdem sich Altbekannte und Neugäste wechselseitig „beschnuppert hatten“, begann das Essen im schlichten, aber für das Fest bestens ausgestatteten und dekorierten Gebäude. Das reichhaltige Essen (köstlich zubereitet von Daniela Vetsch und Anna Murtomaa) bestand aus verschiedenen Salaten, Saucen, Snacks, diversen Foccacie, Crêpes, Bohnen und-und-und – es war so viel da, das wahrscheinlich die wenigsten es schafften, alle Speisen zu kosten. So mussten wohl etliche Gäste beim Angebot vom reiche Desserttisch passen.

Das vegetarische Essen war so schmackhaft, dass selbst überzeugte Karnivoren das weggesparte Fleisch nicht vermissten.

 

Die Begrüßung durch die Veranstalter leitete zum Hauptakt der Feier über. Dieser enthielt auch ein mit viel Witz vorgetragenes Quiz über „Geschichtliches“ von Pia Hollenstein und Urs Bernhardsgrütter. Nach dem Dank an Frau Hollenstein für die über zehnjährige intensive Arbeit im Nationalrat zugunsten einer besseren Welt folgte eine Rückenstärkung für Herr Bernhardsgrütter, welcher vom Kantonsrat in den Nationalrat wechselte.

 

Laut Einladung sollte der Rest des Programms von den Teilnehmenden kommen - und so war’s dann auch ! - in Form von zahlreichen kreativen Kurzvorträgen, Gedichten, komischen Einlagen und Kleinkabarett. Urs Kollmann verkörperte einen Fußballfan, der wohl zum derzeitigen Weltmeisterschaftstaumel passte und von den Gästen fröhlich beklatscht wurde. Erstaunlich, was Catherine Lieberherr als „diplomierte Wahrsagerin“ alles vorauserkennen konnte. Und was sie in einer anderen Einlage den Bundesräten „in den Mund legte“.

Durch weitere spontane oder vorbereitete Einlagen der Gäste war so viel los, dass die persönlichen Gespräche fast zu kurz kamen. Und in diesem „Überfluss“ erübrigte sich der Einsatz der angeschleppten Musikanlage.

 

Nicht alltäglich war auch, dass die Bezahlung in „Eigenregie“ erfolgte. Das heißt, bei der Begrüssung wurde den Gästen die Preisliste vorgestellt mit der Bitte, die entsprechenden Beträge in die Kasse zu legen. Am Schluss des Abends konnte die Kassierin befriedigt feststellen, dass mehr als das erwartete Geld den Weg in die Sparbüchsen gefunden hatte.

 

Für die tadellose Durchführung durften die Toggenburger OrganisatorInnen eine dicken Dank von der kantonalen Parteileitung entgegennehmen. Und nachts um halb eins waren Schuppen und Stimmung der Veranstalter bestens aufgeräumt.

 

rh - 3. Juli 2006

 


Bilder vom Fest

 

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