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Komplementärmedizin ist mehrheitsfähig
Viele komplementärmedizinische Heilmethoden haben eine lange Tradition und sind wie die ayurvedische oder chinesische Medizin seit Jahrtausenden bewährt, also wesentlich länger als die Schulmedizin.
Außerdem bestätigen Umfragen, dass die Mehrheit die Alternativmedizin wünschen und diese auch durch die Krankenversicherung vergütet haben wollen. Eine Umfrage der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) zeigte 2002 deutlich, dass 58 Prozent mehr Komplementärmedizin wünschen - im Gegensatz zu nur 21 Prozent, die mehr Spitzenmedizin verlangen.
Es gibt keinen Grund, die seriösen komplementärmedizinischen Verfahren wieder in den unsozialen Zusatzversicherungsbereich zu verbannen. Ein negativer Entscheid des Bundesrates hätte zweifellos eine große Signalwirkung und könnte unsere bald 20-jährige gesundheitspolitische Aufbauarbeit weitgehend zunichte machen.
Marginale Kosten
Was die Kosten der fünf komplementärmedizinischen Richtungen in der Grundversicherung anbetrifft, konnte bis heute bewiesen werden, dass diese nur eine absolut marginale Rolle spielen. Beim Krankenversicherungsverband "santesuisse" spricht man von etwa zwei Promillen der Grundversicherungskosten, die durch diese Methoden und Heilmittel vom Zusatzversicherungs- in den Grundversicherungsbereich verschoben wurden. Im Vergleich zu vielen andern kostentreibenden Faktoren ist dies also kaum der Rede wert!
Außerdem bin ich überzeugt, dass die Komplementärmedizin, insbesondere bei der wachsenden Zahl an chronischen Erkrankungen nicht nur bessere Resultate erzielt, sondern auch die Kostensteigerung dämpfen kann.
Das Gesundheitswesen ist mit rund 50 Milliarden Franken Umsatz pro Jahr, also mehr als 11 Prozent des Bruttoinlandprodukts und rund 10 Prozent der Beschäftigten, nicht nur der wohl größte Wirtschaftsfaktor und Wachstumsmarkt unseres Landes, sondern auch entsprechend hart umkämpft.
Veränderungen mit Kostenfolgen oder auch nur Kostenverschiebungen sind deshalb äußerst schwer oder nur mit entsprechender Lobbyarbeit durchzusetzen. Trotz steigender Nachfrage kann im Bereich der Alternativ- und Komplementärmedizin nur sehr beschränkt Geld verdient werden, und deshalb konnte bis jetzt die notwendige, professionelle Lobbyarbeit nicht finanziert werden.
Dazu kommt, dass entscheidende Stellen sowohl auf kantonaler wie eidgenössischer Ebene - und ganz besonders bei den äußerst konservativen medizinischen Fakultäten der Universitäten - absolut dogmatisch an der wissenschaftlich keineswegs so unzweifelhaften Schulmedizin festhalten. Die Jahr für Jahr beliebteren, natürlichen und oft auch menschlicheren Verfahren werden deshalb aus Angst oder Futterneid radikal bekämpft und von vielen ins Reich der Kurpfuscherei verdammt.
Da sich die Welt- und Menschenbilder der Schul- und Komplementärmedizin zum Teil wesentlich unterscheiden oder gar widersprechen, stehen wir vor einer schwierigen Aufgabe. Die Integration oder Gleichbehandlung der Komplementärmedizin kann nur gelingen, wenn sich die Bevölkerung öffentlich vehementer für ihre Bedürfnisse einsetzt und notfalls auch bereit ist, dafür auf die Straße zu gehen.
Volksinitiative "Ja zur Komplementärmedizin" wurde zugunsten des Gegenvorschlags zurückgezogen.
Der Initiativ-Text lautete: "Bund und Kantone sorgen im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für die umfassende Berücksichtigung der Komplementärmedizin."
Der Gegenvorschlag des Parlamentes lautet gleich, außer dass das Wort „umfassende“ gestrichen wurde.
Die Initiative verlangt, dass die komplementär- und alternativmedizinischen Verfahren endlich rechtlich und politisch einen Status erhalten, der ihrer gesellschaftlichen Bedeutung entspricht.
Das krasse Missverhältnis zwischen der stetig steigenden Nachfrage und dem völlig ungenügenden stationären wie zum Teil auch ambulanten Angebot muss längerfristig beseitigt werden.
Nach der Annahme des Gegenvorschlags durch das Volk, könnte die fehlende Umsetzung sowohl bei den Kantonen wie auch beim Bund eingeklagt werden. Dies wäre insbesondere auf universitärer Ebene dringend nötig, um endlich die Komplementärmedizin im Medizinstudium - und damit im Gesundheitssystem - breiter etablieren zu können.
Der Verfasser, Herbert Holliger ist seit 1985 Geschäftsführer von anthrosana, dem Verein für ein anthroposophisch erweitertes Heilwesen, Ko-Präsident des Forums für Ganzheitsmedizin sowie Mitglied des Initiativkomitees „Ja zur Komplementärmedizin".
anthrosana ist mit 6000 Mitgliedern eine Patientenbewegung auf anthroposophischer Grundlage und setzt sich für die Komplementärmedizin ein.
anthrosana. Postplatz 5. Postfach 828,4144 ArIesheim Tel. 061 701 15 14, Fax 061 701 15 03. info@anthrosana.ch - www.anthrosana.ch
(Der Text wurde von www.dynamic5.org übernommen)
