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Willkommen bei den Grünen Kanton St. Gallen
Unsere Aktivitäten zur Unterstützung der Energie-Initiativen
![]() Foto von der Toggenburger-Zeitung - 23.11.2006 |
Vortragsabend zur Energie-Initiative
Am Abend vom 21. November 2006 begrüßte die Kantonsrätin Tabea Grob zwei ausgewiesene Referenten, den Architekten und Baubiologen Bosco Büeler aus Flawil und den Energie-Ingenieur Lorenz Neher aus Ebnat-Kappel. Sie waren gebeten worden über die Notwendigkeit des Umstiegs von den fossilen Energieträgern auf die erneuerbaren zu sprechen.
Die Energie-Intitiative ist notwendig
Im ersten Teil legte Bosco Büeler vor allem die Gründe für den notwendigen Kurswechsel dar. Er sagte: Wir wissen heute eindeutig, dass der starke Anstieg der Welt-Durchschnitts-Temperatur der letzten zehn Jahren durch die Menschen verursacht wurde. Weil das so ist, liegt es selbstverständlich an uns, die damit erzeugten Probleme zu lösen. Um aber mit den Maßnahmen dort ansetzen zu können, wo die Wirkung groß ist, benötigen wir statistische Auswertungen über den Energieverbrauch.
Unter Verwendung von eindrücklichen Graphiken zeigte Bosco Büeler die größten Sorgenfelder und nannte die wichtigsten Verursacher. Gleichzeitig mahnte er, dass es nicht allzu viel Sinn macht, mit dem Finger auf die USA zu zeigen, welche mit einem 4 %-Anteil an der Weltbevölkerung 28% der Umweltbelastungen verursachen, denn wir Schweizer sind nicht viel besser und sollen vor unserer eigenen Türe putzen. Obwohl die Bewohnerzahl der Schweiz seit den Fünfzigerjahren nur um 50% zunahm, verzwölffachte sich der Heizölverbrauch und verfünfzehnfachte sich der Treibstoffkonsum. Das bedeutet, dass der vielfach gestiegene Energieverbrauch nicht eine Notwendigkeit, sondern einen Luxus darstellt. Interessanterweise ist es nicht zwingend, dass wir diesen Luxus schmälern, denn die Sonne schickt uns hundertmal mehr Energie, als wir benötigen. Wir müssen uns deshalb nicht fragen, ob uns genug Energie zur Verfügung steht, sondern ob wir bereit sind, die Nutzung der Sonnenenergie zu finanzieren.
Was wir brauchen sind intelligente Lösungen im Solarbereich und beim Energiesparen, denn das Sparpotential wird bei weitem nicht ausgeschöpft. Noch immer werden gegen 60 % aller Energieträger verschwendet.
Unser Ziel sollte sein, dass wir die gegenwärtige bezogene Leistung des Durchschnittschweizers von 6000 W auf 2000 W senken.
Diesbezüglich muss der Kanton St.Gallen aufwachen, denn alle Kantone der Schweiz fördern die Nutzung von erneuerbaren Energieträgern mit Ausnahme von St.Gallen, Obwalden und Schwyz. Bosco Büeler würde sich wünschen, dass hier ein Energieinstitut eingerichtet wird, weil die Förderung der erneuerbaren Energie richtig geplant werden sollte.
An Lösungen fehlt es nicht
Mit seinen Ausführungen hat Bosco Büeler ein ganzes Bündel von Lösungsmöglichkeiten angesprochen. Damit leistet er gute Vorarbeit für Lorenz Neher, dem die Aufgabe zufiel, weitere Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Er begann mit der Wasserkraft welche zur Zeit den größten Anteil der umweltverträglich gewonnenen Energie liefert. Diese Leistung kann durch technische Verbesserungen noch deutlich gesteigert werden.
Im weiteren schlug er vor, unser regionales Holz zu Energieholz zu machen. Als Vorbild nannte er Südtirol. Dort stehen viele Holzschnitzel-Feuerungen in Betrieb und sie werden mit einheimischem Holz gespiesen. Begünstigend wirken dort die finanzielle Unterstützung vom Land und der Umstand, dass das Heizöl doppelt so teuer ist wie in der Schweiz. Trotzdem zahlt sich die Holzschnitzelheizung auch bei uns aus, denn kein Brennstoff ist billiger. Eine Kilowattstunde kostet nur 5 Rappen. Leider lassen sich solche Anlagen nur dann vernünftig betreiben, wenn mehr als zehn Wohneinheiten zusammenspannen.
Aber auch für Einzelhäuser gibt es ausgereifte Holzheizungen. Diese werden mit Pellets beschickt. In diesem Fall kostet die Kilowattstunde 6,5 Rappen. Im Vergleich dazu muss man bei den Ölheizungen schon heute mit 7.5 Rappen pro KWh rechnen. Und durch die Verknappung des Öls wird dieser Preis schon bald erheblich ansteigen.
Eine weitere Energie-Quelle kann man sich durch die Montage von Sonnenkollektoren erschließen. Mit ihnen lassen sich kostengünstig rund 70 % des jährlichen Warmwasserbedarfs decken.
Darüber hinaus werden viele Anwendungen im Bereich der Photovoltaik erprobt. Finanziell zahlen sich die meisten Neuerungen mit Solarzellen noch nicht aus. Trotzdem sind sie sehr wichtig, weil sie nach den derzeitigen Kenntnissen über das größte Potenzial zur Nutzung der Sonnenenergie verfügen.
Lorenz Neher erwähnte auch die zunehmende passive Nutzung der Sonnenstrahlen. Beispielsweise baut man die Häuser so, dass viel Sonnenlicht einstrahlt, dann wird dieses von dementsprechend hergestellten Wohnungswänden gespeichert. In kälteren Stunden wird diese Energie in die Wohnung abgeben. Das sorgt für ein ausgeglichenes und damit angenehmes Klima in der Wohnung.
Für die Landwirtschaft sind besonders die Biogasanlagen interessant. Bereits heute bringen 65 landwirtschaftliche Anlagen gute Ergebnisse. Sie gewinnen Biogas aus einer Mischung von Gülle mit Feststoffen. Zu den Feststoffen zählen: Fette, Gemüseabfälle, Lebensmittel, Brot, Teig, Milchprodukte, welche an manchen Orten noch immer in der KVA landen. Mit dem Biogas werden Generatoren betrieben, die Strom und Wärme erzeugen.
Selbst für die Autofahrer hatte Lorenz Neher einen Typ: Den Gasfahrzeugen stehen heute in der Schweiz 68 Tankstellen zur Verfügung. Das Gas ist zudem rund 30% billiger als Benzin.
Wichtige Diskussionsbeiträge
In der anschließenden Diskussion kamen viel weitere Energiefragen zur Sprache. Vor allem wurde vor untauglichen Lösungen gewarnt:
Die Herstellung von Bio-Treibstoffe ist dann keine vertretbare Lösung, wenn Ackerflächen verwendet werden, auf denen die Nahrung für die wachsende Weltbevölkerung angebaut werden muss.
Ebenso macht die Nutzung von Erdwärme mittels Wärmepumpen nur ökologisch Sinn, wenn der für die Wärmepumpe benötigte Strom aus erneuerbarer Energie gewonnen wird, beispielsweise mit Hilfe von Solarzellen.
Auch der noch immer herumgeisternde Glaube, dass Atomkraftwerke etwas gegen den Klimawandel beitragen können, wurde widerlegt, weil diese bei ihrer Herstellung, beim Unterhalt und bei der „Entsorgung“ wahrscheinlich ebensoviel fossile Energie verschlingen, wie sie in ihrer ganzen Betriebszeit erzeugen.
Ganz unklug ist es, den hochwertigen Strom für die simple Warmwasserherstellung zu verschwenden (Warmwasserboiler, Durchlauferhitzer usw.). Doch das Problem dürfte sich fast von selber lösen, weil in den nächsten Jahren die Strompreise nach oben angepasst werden müssen.
Nach wie vor gilt die Devise: Energie effizient nutzen, fossile Energieträger ersetzen und neue Anwendungen fördern. Das Unterschreiben der Energie-Initiative ermöglicht einen Schritt in diese Richtung.
Remy Holenstein – 22. November 2006

