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Kapitel 1 - Grafenau, Wasserkraft und unkorrigierte Falschmeldungen

Während die Kampagne gegen Naturschutzorganisationen und Grüne vom atomfreundlichen Flügel der bürgerlichen Parteien und ihrer Wirtschaftskreise voll im Gang ist, haben die Grünen St.Gallen zu einem Diskussionsspaziergang in das Gebiet Grafenau an der Sitter eingeladen. Dort wurde von den Stadtwerken das Projekt ausgearbeitet, das zerfallene Kleinwasserkraftwerk Grafenau wieder aufzubauen. Pro Natura hat Einsprache erhoben. Unter der Leitung von Biodiversitätsfachmann Jonas Barandun diskutierten Harry Küenzle, Leiter des Amtes für Energie und Umwelt und Christian Meienberger, Geschäftsleiter Pro Natura St.Gallen-Appenzell miteinander und mit den Teilnehmern.

  


Dabei ging es einerseits um den konkreten Fall, andererseits um grundsätzliche Überlegungen. Seit einigen Jahren konnte der Flusslauf der Sitter mindestens zum Teil als schützenswertes Flussufer mit Auenwald gesichert werden. Um das zerfallene Wehr bildeten sich Tümpel, schon fast wieder wie bei einem natürlichen Flusslauf.    
   


Es ist die Aufgabe der Stadtwerke, auszuloten, auf welchem Weg der vom Volk letztes Jahr beschlossene Atomausstieg konkret umsetzbar ist. Verständlich, dass da am alten Ort der Wiederaufbau des Wehrs geprüft wurde. Er hätte aber nach Darlegung von J. Barandun zur Folge, dass ein Teil des geschützten Auenwaldes überflutet würde, dass das Wasser sich stärker erwärmen würde, dass die Selbstreinigungskraft des Wassers weiter sinken würde – und das knapp unterhalb des Abwasserwerkes ARA und nur wenig oberhalb des bereits in Zusammenarbeit mit Pro Natura fertiggestellten Kleinwasserkraftwerkes Buretobel. Durch diese weitere Staustufe würden weitere Fischarten und andere Wasserbewohner  in diesem Abschnitt gefährdet. Ihr Lebensraum würde weiter zerstückelt und eingeschränkt, das Artensterben beschleunigt.

Der Einzelfall muss im grösseren Zusammenhang betrachtet werden: Es ist die neue Propagandawelle, Grüne und Naturschutz-Organisationen als Verhinderer der Energiewende zu verunglimpfen. Dazu werden auch Fehlinformationen in Umlauf gebracht bzw. nicht offiziell korrigiert. In seinem Newsletter schreibt der WWF: „10vor10 hat Anfangs April aufgrund einer mangelhaften Recherche eine schwerwiegende Fehlinformation verbreitet. Es wurde ohne Rücksprache behauptet, dass die Umweltverbände 500 von 800 Wasserkraftprojekte mit Einsprachen blockieren würden. Richtig ist, dass die Umweltverbände seit der Einführung der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) schweizweit einige Dutzend (in SG, AR/AI nur drei) zur Diskussion stellten, weil sie die gesetzlichen Anforderungen nicht erfüllten. Praktisch alle Projekte konnten oder können mit Verbesserungen trotzdem realisiert werden. Ist 10vor10 einer Fehlinformation des Kleinwasserkraftwerkverbands aufgesessen oder wurden bewusst Unwahrheiten verbreitet?
Kraftwerke können  (und wollen) die Umweltverbände nicht verhindern. Sie können nur prüfen, ob alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind und allenfalls Unzulänglichkeiten zur Diskussion stellen. Schliesslich entscheidet der Kanton oder in den wenigsten Fällen ein Gericht, ob ein problematisches Kraftwerk gebaut werden kann oder nicht. Da die Natur nicht für sich sprechen kann, übernehmen die Umweltverbände ihre Vertretung.“ Das Problem bei der Wasserkraft ist, „dass 90 bis 95 % des Wasserkraftpotentials bereits ausgeschöpft sind. Die vom Bund beabsichtigte Zubaumenge von Wasserkraftenergie bis 2030 ist im Vergleich zu den anderen erneuerbaren Energieträgern marginal und kann durch bereits eingereichte Projekte realisiert werden, ohne die Gewässer erheblich zu belasten.
Ein Totalausbau, wie sie die SVP fordert, würde die ökologische Vielfalt oder unberührte Landschaften wie zum Beispiel die Greina-Hochebene oder das Val Madris zerstören. WWF und Pro Natura stehen als Anwälte der Natur in der Pflicht sich für eine nachhaltige Nutzung der Wasserkraft einzusetzen. Sie bringen dabei ausgewiesenes Fachwissen in die Projekte ein und verlangen dabei einzig und allein, dass die geltenden Gesetze eingehalten werden.“ (Zitat WWF-Newsletter vom April 2011). Nur etwa 2% der Schweiz ist Naturschutzgebiet.
   


Gemäss Swissgrid haben am 6.4.2011 2740  Gesuche zur Stromproduktion mit erneuerbaren Energien den Zuschlag zur kostendeckenden Einspeisevergütung erhalten, 9668 Gesuche warten, da die Einspeisevergütung plafoniert ist, während wir Steuerzahler für den Atomstrom und Flugzeugtreibstoff munter weiter kräftige Subventionen zahlen.  Die Grünen fordern schon immer, dass die Einspeisevergütung keine Begrenzung haben soll. Weder Naturschutzvereine noch Grüne oder linke  Politiker haben somit diese Verhinderungspolitik zu verantworten.
  


  
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